Schwingermuseum Winterthur

Schwingermuseum Winterthur

Kurz und Schlungg
Bildergalerie 1«Kurz und Schlungg», antwortet Karl Meli auf die Frage nach seinen bevorzugten Schwüngen. Aber eigentlich sei er ein vielseitiger Schwinger gewesen.Dies könnte eine Antwort auf die Frage sein, weshalb er in der Statistik des Eidgenössischen Schwingerverbandes noch 30 Jahre nach seinem Karriereende als erfolgreichster Schwinger geführt wird. Die beiden Auszeichnungen zum Schwingerkönig 1961 in Zug und 1964 in Aarau und die neun eidgenössischen Kränze,kein anderer Schwinger hat je so viele errungen, bilden nur den Anfang einer langen Liste von Erfolgen.

Rekorde scheinen auch in Karl Melis Berufsleben eine Rolle gespielt zu haben. Der «Sternen», den er vor über 30 Jahren übernommen hat und den seit 2003 seine ältere Tochter Irène führt, ist das älteste noch bestehende Restaurant Veltheims. Am 27. August 1877 wurde es von Lisette Ernst eröffnet. Seinen Beruf als Zimmermann hat Karl Meli auf den Tag mit dem Ende der Lehre an den Nagel gehängt. Er sei nicht absolut schwindelfrei und sah deshalb keine Zukunft auf dem Bau. Dem Holz jedoch blieb er auch neben dem Sägemehlring noch einige Jahre treu. Er arbeitete als Waldarbeiter im Stadtwald bis er, als 24-Jähriger, zur Stadtpolizei kam.

Nochmals einen Berufswechsel gab es sechs Jahre später, als er im August 1968 mit seiner Frau Heidy im Freieck in Oberwinterthur zu wirten begann. Eine nächste Station war die Mühle Hegi, bevor das Ehepaar mit ihren Kindern Irène, Susanne und Karl junior im Veltheimer «Sternen » eine eigene Existenz fand. Für Karl Meli war es eine Rückkehr. Geboren in der «Blumenau», kam er fünfjährig mit seiner Familie an die Felsenhofstrasse und absolvierte seine ganze Schulzeit in Veltheim. Vor ein paar Wochen konnte das renovierte Feld-Schulhaus eingeweiht werden. Zu Melis Sekundarschulzeit war der Neubau des Schulhauses soeben fertig gestellt worden. Er hat, wie viele Veltemer Schülergenerationen vor und nach ihm, bei den legendären Lehrern Steiner/Gysi und Lauffer/Hettlinger die Schulbank gedrückt. In den Ferien half er als Handlanger mit beim Bau des alten Frauenspitals oder im Fuhrbetrieb Haidorfer an der Feldstrasse (heute steht da der Kindergarten) beim Zügeln.

Zuerst ein Turner
Schwingen war und ist das Leben des zweifachen Schwingerkönigs. Sein Vater hatte geschwungen und ihn und seinenBruder Arthur mit dem Sägemehlvirus angesteckt. Heidy, seine spätere Frau, kommt ebenfalls aus einer Schwingerfamilie, und schliesslich sind auch zwei seiner Kinder in seine sportlichen Fussstapfen getreten. Seine Tochter Irène hatte allerdings einen schweren Stand, als sie dem Vater gegenüber ihre Absicht kundtat, sich aktiv dem Frauenschwingsport zuwenden zu wollen. Frauen in einer traditionellen Männerdomäne!? Heute ist ihr des Vaters Segen gewiss. Mit seiner Hilfe hat sie über den Räumen des „Restaurant Sternen“ im September das schweizweit einzige Schwingermuseum eröffnet. Nicht nur Andenken des Veltemer Schwingers sind darin ausgestellt, auch Erinnerungsstücke anderer ehemaliger Schwinger und Dokumente zum Schwingsport an sich. Ein besonderer Blickfang ist die beeindruckende Glocken- und Treichelgalerie. Der Schwinger war nicht von Beginn seiner Sportlerlaufbahn ein Schwinger. Seinerzeit war es neunjährigen Buben erlaubt, in der Jugendriege des Turnvereins mitzutun, aber nicht in der Schwinghalle. So bewies Karl Meli sein Können zuerst als Nationalturner in Disziplinen wie Hochweitsprung, Steinstossen, Freiübung oder auch Schwingen und Ringen, bevor aus ihm mit 15 endlich ein richtiger Schwinger wurde. Gleich bei seiner ersten Teilnahme am Zürcher kantonalen Jungschwingertag heimste er den Siegerpreis ein. Rund 15 Jahre gingen Nationalturnen und Schwingen Hand in Hand, wobei der heute 71-Jährige auch im Nationalturnen mit ausgezeichneten Leistungen brillierte.

Ein harter Kopf
Bildergalerie 2An den 125 Kranzfesten, an denen der grosse, kräftig und sportlich gebaute Turnerschwinger teilgenommen hat, hat er nur einmal einen Kranz verpasst. Nicht etwa wegen mangelnder Leistung, nein, sein Wunderfitz hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der dannzumal verbotene Blick über die Schulter des Kampfrichters auf das Notenblatt kostete ihn den Kranz. Traditionen und Bräuche sind mit dem Schwingsport noch heute eng verknüpft. Naturalgaben als Preise, die die Wettkämpfer selber aussuchen können, sind Teil davon. Einzig dem Festsieger bleibt nicht wirklich eine Wahl. Für ihn ist der Tierpreis, meist ein Muni oder Rindli, vorgesehen; der wertvollste Preis eben. Karl Meli erinnert sich, einmal einen Muni ausgeschlagen zu haben, was ihm rundherum Unverständnis und Spötteleien einbrachte. Er liess sich nicht beirren und blieb bei seiner Wahl: Ein Spiel Senntumschellen, eine äusserst rare Gabe, bestehend aus Appenzeller Dreiklang-Treicheln. Ein denkwürdiger Siegerpreis sind die Senntumschellen. Ein denkwürdiges Fest ist Zug. Nachdem der Böse (so werden die Besten unter den Schwingern bezeichnet) aus Veltheim den dritten Gang für sich entschieden hatte, blieb er bewusstlos liegen. Er wurde mit der Bahre vom Platz getragen und zu Abklärungen ins Spital eingeliefert. Der Arzt hatte, nach eingehenden Untersuchungen, keine Bedenken, ihn wieder in den Ring zu lassen. Die Wettkampfleitung war dem Zürcher wohl gesonnen und erlaubte ihm mittels Ausnahmeregelung, den vierten Gang am Sonntag nachzuholen und so in der Konkurrenz zu bleiben. Meli bedankte sich auf seine Weise. Er entschied den Schlussgang für sich und ging als Sieger vom Platz.

Am Kilchbergschwinget 1978 setzte Karl Meli seiner aktiven Schwingerlaufbahn ein Ende. Ganz für sich allein hatte er entschieden, sich 40-jährig, nach 25 Jahren, aus dem Ring zurückzuziehen. Einige Zeit ist verstrichen, doch das Interesse des pensionierten Gastwirts am Schwingsport ist ungebrochen. Wer sich mit ihm unterhält bemerkt unschwer das innere Feuer, das für die Sägemehlkämpfe aus seinen Augen leuchtet und den Stolz auf eine legendäre Sportlerlaufbahn, der aus seinen Worten spricht. Solange es seine Gesundheit erlaubt, wird er dabeisein auf der Zuschauertribüne – bestimmt auch am Eidgenössischen in Frauenfeld im nächsten Jahr.

 

schwingermuseum 1Die Rekordsiege von Karl Meli

OLMA-Schwinget 5 Siege bei 5 Teilnahmen, in einem Zeitraum von 16 Jahren
Herbst-Schwingertag Siebnen SZ 13 Siege
Zürcher und Schaffhauser Kantonalschwingfest je 12 Siege
Nordostschweizer Schwingfest 11 Siege
Allweg-Schwinget 9 Siege
Stoos-Schwinget 8 Siege
Eschenberg-, Pfannenstiel-,Bachtelschwinget je 6 Siege
Niklausschwinget 7 Siege
Berchtoldsschwinget 8 Siege

sternen logo

 

Öffnungszeiten Restaurant

Mo., Di., Fr.  15.30 - 24.00 Uhr

Sa. und So. 15.30 - 24.00 Uhr

 

karl meli

Öffnungszeiten

Montag, Dienstag, Freitag  15.30 - 21.00 Uhr

Samstag und Sonntag       15.30 - 21.00 Uhr

Mittwoch und Donnerstag geschlossen

 

schwingen1

Schwingermuseum/Restaurant Sternen

Irène Bodenmann-Meli

Löwenstrasse 4

8400 Winterthur

Phone +41 (0)52 212 02 60

Mail  info@schwingermuseum.ch